Der Neusiedler See (ungar. Fertő tó, fertő - wortwörtlich „Sumpf“) ist neben dem Plattensee einer der wenigen Steppenseen in Europa. Der See liegt sowohl in Österreich als auch in Ungarn. Er ist der größte See Österreichs und zeichnet sich durch seinen Schilfgürtel, seine geringe Tiefe und sein mildes sowie windiges Klima aus. Außerdem gibt es die beiden Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel und Fertő-Hanság.Von der UNESCO wurde der See zum Welterbe hervorgehoben. Seine Form ähnelt dem eines Schuhlöffels, unter anderem ist das nördliche Drittel die Neusiedler Bucht und die engste Stelle die Illmitzer Seeenge.
Die Seefläche ist rund 320 km² groß, ca. 240 km² davon befinden sich in Österreich, der Rest in Ungarn. Das Einzugsgebiet des Sees beträgt ca. 1.100 km². Seine Länge beträgt ca. 36 km, die Breite variiert zwischen 6 und 14 km. Durch die Höhe der Erdkrümmung zwischen Neusiedl am See und Mörbisch (ca. 9,60 m) sieht man nicht von einem Ende zum anderen.
Umgeben ist er fast vollständig von einem Schilfgürtel. Dieser bildet den Lebensraum für die einzigartige Tierwelt und ist nach dem Donaudelta das größte zusammenhängende Schilfgebiet in Europa. Durch die vorherrschende nord-westliche Luftströmung wächst am Ostufer deutlich weniger Schilf als am Westufer. Von 1909 bis 1965 hat sich der Schilf-gürtel stark vergrößert und bedeckt heute in Österreich eine Fläche von ca. 100 km². Ursachen der Verschilfung sind einerseits Düngemittel aus der Landwirtschaft und andererseits der Einser-Kanal, der eine Ausdünnung des Salzgehaltes des Wassers be-wirkte. Dadurch konnte sich das Schilf rund um den See stärker verbreiten. Ein geringer Teil des Schilfes wird von Landwirten und einigen professionellen Schilfschneidern im Winter geerntet und teilweise weiterverarbeitet. Die burgenländische Landesregierung plant in Neusiedl am See ein Biomassekraftwerk, welches das alte Schilf verwerten soll, um damit der drohenden Verschilfung des Sees entgegenzuwirken.
Bei den sogenannten Inseln des Neusiedler Sees, auch Schoppen genannt, handelt es sich meist um keine echten Inseln, sondern um vom offenen Wasser umgebenes Schilf. Hierzu gehören: Podersdorfer Schoppen, Oggauer Schoppen, Fünf Schoppen, Möwen-schoppen, Schotterinsel, Vogelinsel.
Der See liegt in der kleinen ungarischen Tiefebene. Im Nordwesten wird er von dem Leithagebirge und im Norden von der Parndorfer Platte begrenzt.
Bade- und Hafenanlagen haben die Orte Illmitz, Podersdorf, Weiden, Neusiedl am See, Jois, Breitenbrunn, Purbach, Oggau, Mörbisch und die Freistadt Rust sowie Fertőrákos in Ungarn.
Der Untergrund des Sees ist meist sandig, an einigen Stellen sind Schotterbänke. Die Strömung verhindert die Ablagerung der schwebenden Sedimentteilchen und damit die Bildung von Schlamm. Nur in Bereichen ohne Strömung (nahe dem Schilf, in Buchten und Häfen) lagert sich verrottende Biomasse und Faulschlamm ab.
Der seichte See wird überwiegend durch Niederschläge (80%) gespeist und durch Ver-dunstung wieder entwässert. Niederschläge und Trockenheit können einerseits erheb-liche Überflutungen und andererseits die Austrocknung des Sees zur Folge haben. Außerdem gelangt zu einem kleineren Anteil Wasser durch die Wulka, Wolfsbrunnbach, Angerbach, Rákosbach und die Ortskanalisationen in den See.
Durch den Einser-Kanal wird Hochwasser im Winter über die Rabnitz in die Donau entsorgt, um Überschwemmungen im Frühjahr zu vermeiden. Wenn der See, so wie im Frühjahr 1996, doch einmal über seine Ufer tritt, werden neben den Gebäuden und Anlagen in Ufernähe auch die Kläranlagen in ihrem Betrieb gestört. Das überflüssige Wasser lässt sich später aber auch nicht mehr über den Einser-Kanal ableiten, da die Flüsse dahinter dann ebenfalls Hochwasser führen. Wird im Winter aber zu viel Wasser abgeleitet, so leiden im Sommer Tourismus und Landwirtschaft durch das Niedrigwasser. Außerdem sind solche Eingriffe aus ökologischer Sicht bedenklich.
Im Laufe der Jahrhunderte stieg und fiel der Seespiegel ständig, was natürlich auch das Leben rund um den See beeinflusste.
Anfang des 17. Jahrhunderts trocknete der See langsam aus. Doch nach einigen Jahren kam er wieder zurück und erreichte 1768 mit einer Fläche von 515 km² seinen Höchststand. Dabei wurde viel Weideland überschwemmt.
Von 1775 bis 1780 wurde ein Kanal durch den Hanság gegraben und eine Dammstraße zwischen Pamhagen und Fertőd errichtet. In den kommenden 40 Jahren trocknete der See abermals aus und füllte sich wieder. 1838 führte der See wieder Hochwasser und zerstörte viele landwirtschaftliche Kulturen.
Bei der letzten Austrocknung von 1864 bis 1870 wurde im trockenen Seebett Reis ange-baut. Bis 1871 war nur mehr ein schmaler Streifen Wasser vorhanden. Der Boden härtete aus und verkrustete und war landwirtschaftlich kaum nutzbar. Der Wind trug den salzigen Staub in die umliegenden Orte und vor allem in die Weingärten. Es wurden Wege zwischen den Seegemeinden, zum Beispiel von Illmitz nach Mörbisch, angelegt. 1872 war aber der See in seiner kompletten Größe wieder vorhanden. 1895 wurde mit dem Bau des Einser-Kanals begonnen (Fertigstellung 1909).
1941 war der See am größten. Er trat viele Kilometer weit über die Ufer und überflutete teilweise einige Anrainergemeinden. Straßennamen wie die Seeufergasse in Apetlon zeigen noch heute, wie weit sich der See ausdehnte.
Im Jahr 2003 sank der Wasserstand des Neusiedler Sees wieder stark ab. Die Universität für Bodenkultur in Wien sagt eine weitere Austrocknung des Sees zwischen 2010 bis 2050 voraus, hervorgerufen durch die globale Erwärmung und geringem Niederschlag. Derzeit wird untersucht, ob eine Zuleitung von Donauwasser möglich ist. Problematisch ist dabei der Unterschied der beiden Gewässer. So könnte der zusätzliche Nährstoffgehalt und der geringere Salzgehalt des Donauwassers das Wachstum des Schilfgürtels wieder beschleunigen.
Der See passt seine Wassertemperatur rasch an die Lufttemperatur an. Wasser-temperaturen bis zu 30 °C sind möglich. Allerdings kühlt der See rasch wieder ab. Die Wassertemperatur beträgt im Sommer durchschnittlich 22 bis 23 °C.
Die Strömung des Sees dreht im Uhrzeigersinn, am Westufer ist eine Nord-, auf der Ostseite eine Südströmung. Daneben gibt es viele Kreiselströmungen (vor Buchten und Inseln). Die Strömung am Grund kann entgegengesetzt zur Oberflächenströmung verlaufen. Dabei kommt es oft zu einer schichtweisen Überlagerung von kühleren und wärmeren Wassermassen (vermeintliche warme Quellen).
Durch die Strömungen und die geringe Tiefe des Sees entsteht die prägnante Eintrübung des Wassers bedingt durch schwebende Sedimentteilchen. Der Neusiedler See ist kein Süßwassersee, er hat eine geringfügige Salzkonzentration (ca. ein Zwanzigstel vom Meerwasser). Durch die Eintrübung kommt trotz der geringen Tiefe kaum Sonnenlicht zum Seeboden, was zusätzlich zum Salzgehalt Algenbewuchs und Verschilfung verhindert. Der See ist sehr windreich. Die vorherrschende Windrichtung ist NW. Winde aus SO bis SW sind im Sommer häufig. Plötzlich auftretende Böen und Stürme können für Schifffahrt und Wassersport gefährlich werden. Von Mai bis September werden Sturmwarnungen durch gelbe Leuchtsignale ausgegeben. Viele Wassersportler unterschätzen die Gefah-ren, was immer wieder zu Todesopfern führt. Die hohen, wuchtigen Wellen ab Windstärken 8 bft machen ein Überleben im Wasser oft unmöglich. Man kann bei Grund-see weder stehen noch schwimmen. Daher soll man beim Kentern eines Bootes bei die-sem bleiben und sich daran festhalten bis Hilfe eintrifft.
Der Frühling ist gekennzeichnet vom hohen Wasserstand und der Ankunft der Zugvögel.
Im Sommer ist der Wasserstand bis zu 80 cm gesunken, Urlauber und Wassersportler bevölkern den See. Im Schilf sind abflusslose und klare Tümpel, in denen die Vögel ihre Nahrung finden und der Nachwuchs langsam flügge wird.
Der Herbst kommt meist spät und mild, die Zugvögel verlassen das Gebiet und durch vermehrten Niederschlag beginnt sich der See wieder langsam zu füllen.
Fast jedes Jahr friert der See für ein paar Tage, Wochen oder Monate zu. Der Winter ist dann zu Ende, wenn sich die Eisplatten am Ostufer des Sees zum meterhohen Eisstoß auftürmen.
Über 40 Säugetierarten wie das Ziesel, der Steppeniltis und der Hamster leben um den See.
Im Schilfgürtel leben über 300 Vogelarten, 150 davon sind Brutvögel. Darunter befindet sich auch das größte Brutgebiet der Silberreiher. Graureiher und Großtrappen gibt es auch noch. Am bekanntesten ist der Weißstorch. Auch Löffler, Purpurreiher, Kaiseradler, Seeadler, Graugans, Bienenfresser, Säbelschnäbler, Kampfläufer, Seeregenpfeifer, Fluss-/ Seeschwalbe, Rotschenkel, Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Schafstelze, Sumpfohreule, Wiesenweihe und viele weitere geschützte Vögel sind vertreten.
Neben Speisefischen wie der Hecht, Zander, Wildkarpf und Wels bevölkern verschiedene Weißfische wie Stichling, Laube, Güster und Brachse den See. Der Aal wurde vom Menschen im See ausgesetzt.
Typisch für den Schilfgürtel- und Uferbereich sind z.B. Erdkröte, Wechselkröte und Knoblauchkröte, der Europäische Laubfrosch, Balkan-Moorfrosch, Spring-frosch, Kleine Wasserfrosch, Seefrosch, Teichfrosch und Rotbauchunke.
Neben den unbeliebten Gelsen gibt es auch Exoten wie die Südrussische Tarantel und der Mondhornkäfer. Und ca. 1.500 Schmetterlingsarten.
Seit 1935 gibt es Bestrebungen einen Nationalpark einzurichten. Doch erst 1993 wurde der See zum Nationalpark erklärt, und zwar in Österreich das Gebiet Neusiedler See-Seewinkel (9.700 ha) und in Ungarn Fertő-Hanság (23.500 ha). Er unterliegt der Ramsar-Konvention und dem Natura-2000-Übereinkommen. Das Gebiet um den Neusiedlersee wurde 2001 zum UNESCO-Welterbe ernannt.
Für das Burgenland hat die Region eine große touristische Bedeutung. Durch seine geographischen Nähe zu Wien wurde er hauptsächlich von Wienern besucht und darum auch als "Meer der Wiener" bezeichnet. Sämtliche Strandbäder am See wurden in den letzten Jahren ausgebaut und modernisiert.
Es gibt heute nur noch wenige Berufsfischer am See, die mit Reusenanlagen die be-liebten Speisefische fangen. Viele Einheimische und Gäste lösen eine Anglerkarte und ziehen mit etwas Glück und Ortskenntnis beachtliche Fische an Land (zumindest erzählen sie davon!).
Grundsätzlich sind private Motorboote mit Verbrennungsmotoren verboten. Diese sind nur der Polizei und Feuerwehr vorbehalten. Außerdem sind noch drei Schifffahrts-unternehmen am See, die mit größeren Schiffen zu Rundfahrten in die Schilfgürtel oder als Fahrradfähre den See von verschiedenen Orten aus befahren.
Das Verbot von Motorbooten und der häufige Wind haben dazu beigetragen, dass der Neusiedlersee heute ein Eldorado für alle Arten von windgetriebenen Wassersportarten ist (zahllose Regatten, Segler und Surfer).
Seit Dezember 2007 ist auch ein Grenzübertritt nach Ungarn ohne Grenzkontrolle auf dem Wasser möglich, ein Reisedokument ist aber mitzuführen.
Der Silbersee (Naturschutzgebiet), teils auf österreichischem und ungarischem Staats-gebiet, darf weder betreten noch befahren werden!
Ende der 1960er Jahre plante man eine Straßenbrücke über den See. Dabei sollte Illmitz mit Mörbisch verbunden werden, um besser erreichbar zu sein. Dies löste jedoch starke Proteste von Naturschützern aus (dem ist in weiterer Folge der Nationalpark zu verdanken).
(Quelle: www.wikipedia.org, bearbeitet und auszugsweise)